Montag, Februar 21, 2011

wochenende

Am Freitag bin ich bei Magnifico gewesen. Wunderbare Show, bis auf die Kommerz-Randerscheinung, das teuere Essen im Foyer, das wertlose - 6,50 für einen kleinen Teller fürchterlich aussehender "asiatischer" Nudeln. Halber Liter Wasser 3,50. Und leider fotografieren verboten. Mit Überwachung, also es standen Leute vom Team rum, es war nicht möglich heimlich Fotos zu machen. Grenzte zeitweise an Folter für mich. Wie wichtig mir doch das Fotografieren ist. Nicht nur die Fotos selbst, vor allem auch als Dokumentation, als Tagebuch. Tage und Ereignisse verschwimmen sonst.

Sonntag, dann endlich in der Herlinde Koelbl Ausstellung im Stadtmuseum gewesen. Am Anfang habe ich so lachen müssen über das Foto von Edmund Stoiber, er so fröhlich in einer unglaublich geschmacklosen und spießigen Umgebung, auf der Eckbank mit Kreuzstichkissen, Deckenlampe aus Hirschgeweih. Dann die Fotos der feiernden "Oberen Zehntausend". Unglaublich. So geht es weiter. Ich kann mit ihren Fotos etwas anfangen, sie sagen mir was. Und sie überlässt es auch mir.

Später, das Alter. Unglaublich. Welke Haut. Und die Fotos von zwei sehr alten, toten Menschen. Ich bin absolut fasziniert. Sie halten sich an den Händen.

Im letzten Raum - Fotos von jüdischen Menschen, die den Holocoust überlebt haben. Ein Foto von ihnen wie sie jetzt aussehen, daneben Sätze die sie dazu sagen. Ich bin erst - wie immer - vollkommen überwältigt von Schuldgefühlen und Entsetzen. Ich kann erst später über das nachdenken, was ich da gelesen habe. Die Statements der einzelnen Personen sind sehr verschieden. Jeder hat einfach seinen eigenen Blickwinkel. Das ist auch das Geheimnis von Herlinde Koelbl, die Darstellung dieses einmaligen Blickwinkels. Sie ist neugierig und will Menschen verstehen lernen. Ohne Wertung. Die Wertung bringe ich mit, durch meinen Blickwinkel. Also - erst komplett überwältigt von Schuldgefühlen. Bis ich nach einiger Zeit erst wahrgenommen habe, was ich da gelesen habe. Einige der Überlebenden haben auch Schuldgefühle, weil sie überlebt haben und so viele andere sterben sahen. Das ist für mich ganz was neues, daran hätte ich nie gedacht.

Das alles bringt mich wieder zum Nachdenken. Über die Anziehungskraft. Ich bin in einer Stadt aufgewachsen, die erst nach 1945 entstanden ist, vorher war da eine Rüstungsfabrik im Wald und es wurde auch ein unterirdischer Flughafen gebaut, der vor Kriegsende nicht fertig wurde. Im Wald wurden nach dem Krieg Massengräber der Arbeiter gefunden. An der Baustelle bei dem unterirdischen Flughafen fanden unglaubliche Grausamkeiten statt. Ich zog um nach Brannenburg, neben die Kaserne, in der mein Mann als Soldat stationiert war. Ich zog um nach Deggendorf, in die Nähe einer alten Kaserne (jetzt Wohnungen) in der mein Großvater als Ausbilder in der Nazizeit stationiert war. Ich zog um nach München und wohne jetzt mitten im ehemaligen Kasernengelände. Ich sollte wohl mal eine Reinkarnationstherapie machen. Oder eine Familienaufstellung.

Sonntag, Februar 13, 2011

die einzelne

Lese gerade das aktuelle buch von bascha mika - die feigheit der frauen - in dem sie ein gesellschaftsbild aufzeigt in dem heute frauen immer noch die dienerinnen der männer sind, und zwar im privaten - zuhause. sie beschreibt den denkansatz, dass die gesellschaft sich nie ändern wird, wenn sich die einzelne frau da nicht endlich mal durchsetzt. ist sehr umstritten diese these - ich denke sie ist ein teil der ganzen problematik - aber es stimmt. solange frauen noch kollektiv im privaten dienerinnen für mann und kinder sind kann sich nichts ändern.

mich hat erschüttert, dass anscheinend noch so viele frauen so leben - laut der recherche von baschs mika. ich gehe ja da völlig raus, ich möchte nicht mal mehr mit einem mann zusammenleben, weil ich die einforderung, dass er sich einbringt so energie raubend finde. sie denkt, frauen müssen das einfordern. wenn sie mit männern zusammen leben wollen, das ist wohl wahr.



sie beschreibt, dass es noch schlimmer geworden ist - die einzelne frau versucht perfekt im beruf UND zuhause zu sein. die große falle für die jungen frauen ist, zu denken, die gleichberechtigung und der feminismus wären kein thema mehr. so gehen sie eine beziehung ein, und finden dann ihren partner auf der couch liegend wieder während sie den haushalt schmeißen. viele gehen sogar noch so weit und trauen dem partner nichts zu, lassen ihn gar nicht helfen, weil er es nicht perfekt genug macht. irre.

aus persönlicher erfahrung weiß ich auch, dass viele frauen angst haben ihren partner zu verlassen, da sie ihren finanziellen ruin vor augen haben und sich fürchten zum einen die hälfte des bisher gemeinsam erwirtschafteten einzufordern und zum anderen ab jetzt für sich selber zu sorgen. in der denkschleife bin ich auch lange fest gehangen - das war auch der grund aus dem ich bei dem versuch mehr partnerschaftliches verhalten durchzusetzen immer wieder eingeknickt bin. aus feigheit. es war wirklich so. dann noch die sucht fast aller frauen immer einen partner haben zu müssen... bzw. sich unvollständig zu fühlen ohne. das passt auch wieder auf einen comment vom letzten post, die forderung, dass alle endlich mal frauen als ganze/vollständige/autonome wesen mit eigener weltanschauung begreifen sollten. bascha mika meint sinngemäß, wie können wir das von gesellschaft und politik fordern, wenn wir es nicht mal selber im privaten leben. anders gesagt, nach einem berühmten zitat - macht gibt einem keiner, die muss frau sich schon selber nehmen.

Montag, Februar 07, 2011

Elitär oder egalitär?

In letzter Zeit habe ich ja wieder viel über Matriarchate gelesen. Es gibt viele Stimmigkeiten - aber auch Unstimmiges.

Verschiedende Autorinnen behaupten, das Matriarchat wäre die Antwort bzw. die logische Folge des in den letzten Zügen liegenden Patriarchats. (Beispiel: Angelika Aliti in Die wilde Frau). Ist das wirklich so? Und - wäre das überhaupt gut?

Es gibt in unserer und der weltweiten Gesellschaft verschiedene Ansätze, wie das Leben auf dem Planeten denn so weiter gehen sollte. Matriarchale Lebensformen sind auch dabei. Auch dabei - nicht nur alleinig existierend. Wer sollte eine materiachale Gesellschaft nach dem Untergang des Patriarchats wie durchsetzen? Ist es wirklich so, dass unsere jetzige Gesellschaftsform mit Pauken und Trompeten untergeht und nur noch einige Frauen mit fruchtbaren Gemüsegärten übrigbleiben? Das bezweifle ich. Dann kommt ehr noch eine Phase wie wir sie aus den Endzeitfilmen der 80er "Mad Max" und "Water World" kennen.

Vielmehr zeichnet sich momentan gesellschaftlich die Entwickung zur sogenannten "diversity" ab, eine Gesellschaft wie ein Kaleidoskop, in der jedEr seine Lebensart verwirklichen kann. Das ist auch gar nicht so einfach und eine große Herausforderung für die Zukunft. Technologisch zeichnen sich auch interessante Entwicklung hinsichtlich Nachhaltigkeit und erneuerbarer Energien ab. Wirtschaftlich macht sich ebenfalls anderes Gedankengut als der "Raubtierkapitalismus" breit - der nachweislich für alle Unternehmen nur kurzlebige Erfolge bringt. Ein plötzlicher Kollaps mit anschließender globaler Einsicht, wir bräuchten alle die Matriarchate wieder erscheint mir mehr als utopisch. Als eine Lebensform unter vielen: ja, gerne.

Es gibt durchaus real exitierende Matriarchate auf der Erde. Und was mache ich jetzt, hier, heute, wenn ich mich für diese Lebensform begeistere und ich sie leben will? Was tun ist die Frage.

Mit diesem Thema beschäftigt sich auch der diesjährige Matriarchatskongress in St. Gallen. In einem Programmpunkt heißt es: Prof. Veronika Bennholdt-Thomsen, Deutschland: Die Politik der Subsistenzperspektive (Vortrag mit Diskussion) - soll also heißen - Modell Unabhängigkeit durch Selbstversorgung. Ich will jetzt ein bisschen vorgreifen, denn ich werde dort hinfahren und mir diesen Vortrag anhören. Ich schreib nur mal, was ich mir jetzt darunter vorstelle bzw. warum ich es mir nicht vorstellen kann: für so ein Projekt brauche ich Land, Werkzeug, Saatgut und Personen, die da mitziehen. Für ersteres brauche ich Geld. Und wo kommt Geld her: aus dem Patriarchat. Und wer hat keines, auf alle Fälle nicht annähernd so viel: ich! Und nicht nur ich. Und das ist der springende Punkt.

Heide Göttner Abendrot, die diesen Weltkongress ins Leben gerufen hat und die sich um die Matriarchstforschung sehr verdient gemacht hat, das steht außer Frage, gibt mir aber trotzdem Anlass zur Kritik bzw. Verwunderung. Da wird z.B. auf der Webseite der von ihr gegründeten Akademie angeboten: Großer Studiengang von 2013-2015 mit insgesamt 15 Lehreinheiten á 270 Euro. Echt viel Geld und viel Zeit, die eine da investieren muss. Klar muss auch sie Geld verdienen. Da ist er wieder, der springende Punkt - diese Schnittstelle zum Patriarchat - Geld für das Matriarchat. Irgendwie kommt mir das nämlich alles sehr elitär vor. Wer hat denn die Zeit und soviel Geld übrig? Frauen, die im Patriarchat einen guten Stand haben, oder Geld von Mann oder Familie. Jedenfalls Geld, das im Patriarchat verdient wurde. Oder der Schlangenberg. Eine Angelika Aliti ist wirklich geniale Geschäftsfrau, aber wie "patriarchatsfrei" ist der Schlangenberg wirklich?

Neue Lebensformen: ja klar. Aber nur für eine Schicht von elitären Frauen? Genau wie die Quoten-Diskussion. Chancengleichheit zwischen Männern und Frauen: ja klar. Ist aber auch nur was für die elitären....viele andere haben nicht einmal die Chance auf eine Berufsausbildung - und diese Frauen sind es, die dann die Wohnungen der Frauen putzen, die auf Grund der Quote einen Posten ganz weit oben inne haben. Für die Menschen "ganz unten" oder "am Rand der Gesellschaft", für HartzIV Empfänger_innen ist es nämlich ziemlich egal, ob da "oben" Frauen oder Männer sitzen. Wir haben ja schließlich eine Kanzlerin. Und?