Es gibt so viele "Spielarten" im Feminismus. Angeregt durch den tweet von mspro: "kann sich mal wer die zeit nehmen & die ganzen unterschiedlichen femistischen strömungen/meinungen/theorien aufdröseln & zeigen wo es hakt?" (tweet - 140 Zeichen Nachricht bei twitter) - schreib ich jetzt mal.
Aufdröseln & zeigen wo es hakt ... Das geht wohl nicht, weil weder wünschenswert noch möglich - da sich doch bitteschön jedEr, der/die sich mit Feminismus beschäftigt, das auf seine/ihre Weise tun sollen dürfte. Und auch macht - zum Glück.
Wünschenswert vor allem deswegen nicht, weil ja gerade der Feminismus, wie ich ihn (oh ... er ist ein er..) verstehe, beduetet, eben nicht alles im Gleichschritt zu bürsten, sondern Vielfalt zuzulassen, zu ermöglichen und zu fördern.
"zeigen wo es hakt..." ich finde es immer witzig, wenn Menschen glauben, sie wüssten alles. Oder hätten für alles eine Lösung oder wären im Besitz der allmächtigen Wahrheit. Also, ich kann nur hoffen, dass ich mal wieder die humorlose lila Latzhose trage und nicht kapiere dass der Tweet reine Ironie ist.
Interessant ist natürlich die Idee "die ganzen unterschiedlichen femistischen strömungen/meinungen/theorien" .. ja, nicht aufzudröseln, sondern mal zu sammeln. Obwohl - gibt es ja schon. Zum Beispiel in der Frauenbibliothek St. Gallen. Da könnte eine sich ja mal einlesen. Bei "die ganzen.." kann es ja wieder passieren, dass da "die ganzen" berühmten verwendet werden, und interessante, nicht so populäre Nebenströmungen vergessen werden. Interessant deswegen, weil die ja nicht umsonst unpopulär sind. Gerne wird etwas aus dem Strom der Meinungen die sich im Scheinwerferlicht befinden rausgedrängt oder da gar nicht aufgenommen, was zu abwegig, zu eigenwillig ist.
Andere Möglichkeit - es muss gar nicht sein. Das ist mir auch durch das ganze Lesen über die Feminismusdebatte der re:publica 11 aufgefallen - die ganze Energie die aufgebracht wird, um mit Leuten zu diskutieren, die das gar nicht interessiert und die sich so wenig mit der Materie beschäftigt haben, dass eine Diskussion eh nichts bringt. Es gibt so viele Projekte, die schon gemacht worden sind und gemacht werden, die einfach ihr Ding machen. Argumente pro Diskussionen: sonst könnte nichts geändert werden. Immer nur mit Leuten zu diskutieren, die eh meiner Meinung sind, bringt nicht weiter.
Ich muss aber nicht eine Feminismus-Super-Meinung-und-Strategie entwickeln, die auf die ganze Welt anwendbar ist und sofort alles ändert. Sinnlos. Unmöglich. Gar nicht wünschenswert.
Warum gegen Wände rennen, wenn ich mir eine Nische ausbauen kann, etwas bewirke, dass sich entwickeln kann, ausbaut und auf lange Sicht Veränderungen bringt. Beispiel: die Rock-Camps für Mädchen von Missy-Magazine. Oder die Matriarchatskongresse der Hagia Akademie. Oder im privaten - z.b. einfach nicht mehr die über EhegattenSplitting finanziere 24/7 Dienstleisterin im Haushalt sein. Oder mit anderen eine Kinderbetreuung organisieren. undundund.
Mittwoch, April 20, 2011
Sonntag, April 17, 2011
gehirnwäsche
Mache mir zur Zeit wieder mal Gedanken über meine Gedanken bis hin zur Schreiblähmung. Bin aber gestern auf schlaue Tarotkarten gestoßen, die mir empfohlen haben, das mit der Außenwirkung mal sowieso zu vergessen. Und wenn's denn sein muss, einfach eine völlig exklusive Alleinmeinung haben. Aufsplittern in kleinste Einheiten.
Völlig undenkbar für mich: das ewige Beharren auf einer Sichtweise. Alles ist wie ein Spiel. Gedanken sind wie Legotürmchen. Irgendwann sind sie einfach nicht mehr das wahre und sie werden wieder zerlegt und ab in die Spielkiste und mal wann anders wieder neu zusammengebaut.

Meine Inspirationen habe ich mir letzter Zeit von den "Neuen Feministinnen" geholt - jaja ich bin jetzt eine "Alt"-Feministin. Diese Frauen begeistern mich auf vielerlei Arten.
Letzte Woche war die re:puplica in Berlin, eine Veranstaltung in der sich die sogenannte Netzelite trifft. Das war mal so eine Veranstaltung von 30-40jährigen Männern, die da schön ihr Süppchen kochten. Dieses Jahr haben sich die Frauen dort eine beachtliche Präsenz erschaffen. Es gab mehrere Panels mit feministischen Themen, z.b. eins über Cyberfeminismus. Ich war ja leider nicht dort, habe aber ein Interview gehört. (Genaueres über Inhalte und Hintergründe im Netz zu finden, z.b. bei Mädchenmannschaft) Aber der Punkt, der mir auch schon immer aufgefallen ist, und auch im Interview besprochen wurde, sei hier nochmal in meinen Worten dargestellt: die Diskussion über die Alpha-Blogger und warum da keine Frauen dabei sind. Die Alpha-Blogger schreiben Blogs, die die höchste Besucherzahl und die meisten Verlinkungen aufweisen - ihr merkt schon - höher - schneller - weiter. Daraus wird eine Relevanz abgeleitet. Also in dem Fall: die höchste Relevanz für ja - keine Ahnung - die Richtigkeit einer Meinung, die Kunst des Bloggers gut zu schreiben, sich gut zu präsentieren, zu positionieren usw. Denkfehler: die Blogsshäre ist so groß und so vielfältig, dass die Besucherzahlen und Verlinkungen auf die Alpha-Blogger zusammengenommen soetwas von verschwindend gering gegenüber der Anzahl der LeserInnen der Masse der restlichen Blogs sind. Fachbegriff dafür: der Long Tail. Was mir eben so unglaublich an den "Neuen" Feministinnen gefällt, sie treten genau dort auf wo sich die Alpha-Blogger befinden und sagen das. Es sind Kanäle, die genutzt werden, mal neutral gesagt.
Und - dieser Denkfehler findet nicht nur im Netz statt - das Netz ist ja nicht eine andere Wirklichkeit, sondern nur ein anderer Kanal der Wirklichkeit.
Völlig undenkbar für mich: das ewige Beharren auf einer Sichtweise. Alles ist wie ein Spiel. Gedanken sind wie Legotürmchen. Irgendwann sind sie einfach nicht mehr das wahre und sie werden wieder zerlegt und ab in die Spielkiste und mal wann anders wieder neu zusammengebaut.

Meine Inspirationen habe ich mir letzter Zeit von den "Neuen Feministinnen" geholt - jaja ich bin jetzt eine "Alt"-Feministin. Diese Frauen begeistern mich auf vielerlei Arten.
Letzte Woche war die re:puplica in Berlin, eine Veranstaltung in der sich die sogenannte Netzelite trifft. Das war mal so eine Veranstaltung von 30-40jährigen Männern, die da schön ihr Süppchen kochten. Dieses Jahr haben sich die Frauen dort eine beachtliche Präsenz erschaffen. Es gab mehrere Panels mit feministischen Themen, z.b. eins über Cyberfeminismus. Ich war ja leider nicht dort, habe aber ein Interview gehört. (Genaueres über Inhalte und Hintergründe im Netz zu finden, z.b. bei Mädchenmannschaft) Aber der Punkt, der mir auch schon immer aufgefallen ist, und auch im Interview besprochen wurde, sei hier nochmal in meinen Worten dargestellt: die Diskussion über die Alpha-Blogger und warum da keine Frauen dabei sind. Die Alpha-Blogger schreiben Blogs, die die höchste Besucherzahl und die meisten Verlinkungen aufweisen - ihr merkt schon - höher - schneller - weiter. Daraus wird eine Relevanz abgeleitet. Also in dem Fall: die höchste Relevanz für ja - keine Ahnung - die Richtigkeit einer Meinung, die Kunst des Bloggers gut zu schreiben, sich gut zu präsentieren, zu positionieren usw. Denkfehler: die Blogsshäre ist so groß und so vielfältig, dass die Besucherzahlen und Verlinkungen auf die Alpha-Blogger zusammengenommen soetwas von verschwindend gering gegenüber der Anzahl der LeserInnen der Masse der restlichen Blogs sind. Fachbegriff dafür: der Long Tail. Was mir eben so unglaublich an den "Neuen" Feministinnen gefällt, sie treten genau dort auf wo sich die Alpha-Blogger befinden und sagen das. Es sind Kanäle, die genutzt werden, mal neutral gesagt.
Und - dieser Denkfehler findet nicht nur im Netz statt - das Netz ist ja nicht eine andere Wirklichkeit, sondern nur ein anderer Kanal der Wirklichkeit.
Freitag, April 08, 2011
wissenschaft
Lese zur Zeit Rupert Sheldrake "Das schöpferische Universum". Ein wirklich sehr inspirierter Wissenschaftler.
Was ich sehr witzig fand - in der Einleitung zitierte er einen anderen Wissenschaftler, der Anfang der 90er Jahre behauptete, die Menschheit wäre nahezu am Ende er Forschung angelangt, wir wüssten also alles. Witzig deswegen, weil es da um Weltbilder geht. Innerhalb seines Weltbildes stimmt das tatsächlich. In den 80er Jahren gab es in der Biologie einen Gen-Hype. Die Wissenschaft glaubte damals, wenn der Gencode entschlüsselt sei, wüssten wir alles. Heute ist klar - die Entschlüsselung hat bei weitem nicht so viel gebracht wie erhofft. Weil wir - oh Wunder - nicht nach dem mechanistischen Weltbild funktionieren.

Anderer - aber durchaus ähnlicher Gedankengang. Ich verfolge ja auch andere Blogs, zumeist feministische. Dort entbrennen natürlich Diskussionen in Comments. Was mir aber die totale Sinnlosigkeit der Diskussionen an sich aufzeigt. Wir sollten lernen Gespräche zu führen, die zu einem Konsens führen. Das beharren auf der eigenen Meinung führt zu nichts. Nicht weil die Meinung an sich falsch wäre - das ist eben genau nicht der Punkt - sondern weil Meinungsbildungsprozesse so komplex sind, dass sich niemals durch das Ergebnis eineR Einzelnen die Wahrheit abbilden kann. Es ist nicht die Meinung, sondern das beharren darauf. Und anderen die eigene Wahrheit abstreiten, statt alles zu tun, um sie erst mal nachvollziehen zu können. Dann erst die eigene Sichweise einbringen, dann Konsens bilden. Konsens ist etwas ganz anderes als Kompromiss, wohlgemerkt.Ist jetzt keine Kritik an den Blogs an sich - nene. Sondern an unserer Kultur.
Comments gibt es auch in noch extremerer Version, damit kann frau jetzt neuerdings auch gut umgehen: es gibt hatr.org - im Moment hab ich keine solchen "Trolle", die bei mir posten - kann aber jederzeit passieren und hatte ich auch schon. Auf alle Fälle habe ich jetzt keine Angst mehr davor, sondern freu mich sogar darauf. Als mir das vorher passiert ist: ich fühlte mich schrecklich und habe diese Comments gelöscht, weil ich den Hass den sie ausströmten nicht ertragen konnte.
Was ich sehr witzig fand - in der Einleitung zitierte er einen anderen Wissenschaftler, der Anfang der 90er Jahre behauptete, die Menschheit wäre nahezu am Ende er Forschung angelangt, wir wüssten also alles. Witzig deswegen, weil es da um Weltbilder geht. Innerhalb seines Weltbildes stimmt das tatsächlich. In den 80er Jahren gab es in der Biologie einen Gen-Hype. Die Wissenschaft glaubte damals, wenn der Gencode entschlüsselt sei, wüssten wir alles. Heute ist klar - die Entschlüsselung hat bei weitem nicht so viel gebracht wie erhofft. Weil wir - oh Wunder - nicht nach dem mechanistischen Weltbild funktionieren.

Anderer - aber durchaus ähnlicher Gedankengang. Ich verfolge ja auch andere Blogs, zumeist feministische. Dort entbrennen natürlich Diskussionen in Comments. Was mir aber die totale Sinnlosigkeit der Diskussionen an sich aufzeigt. Wir sollten lernen Gespräche zu führen, die zu einem Konsens führen. Das beharren auf der eigenen Meinung führt zu nichts. Nicht weil die Meinung an sich falsch wäre - das ist eben genau nicht der Punkt - sondern weil Meinungsbildungsprozesse so komplex sind, dass sich niemals durch das Ergebnis eineR Einzelnen die Wahrheit abbilden kann. Es ist nicht die Meinung, sondern das beharren darauf. Und anderen die eigene Wahrheit abstreiten, statt alles zu tun, um sie erst mal nachvollziehen zu können. Dann erst die eigene Sichweise einbringen, dann Konsens bilden. Konsens ist etwas ganz anderes als Kompromiss, wohlgemerkt.Ist jetzt keine Kritik an den Blogs an sich - nene. Sondern an unserer Kultur.
Comments gibt es auch in noch extremerer Version, damit kann frau jetzt neuerdings auch gut umgehen: es gibt hatr.org - im Moment hab ich keine solchen "Trolle", die bei mir posten - kann aber jederzeit passieren und hatte ich auch schon. Auf alle Fälle habe ich jetzt keine Angst mehr davor, sondern freu mich sogar darauf. Als mir das vorher passiert ist: ich fühlte mich schrecklich und habe diese Comments gelöscht, weil ich den Hass den sie ausströmten nicht ertragen konnte.
Freitag, April 01, 2011
wirkungen
Social Media wirkt tatsächlich gesellschaftsverändernd - in letzter Zeit sehr deutlich spürbar. Wir können alle einfach unsere Meinung veröffentlichen. Früher war dies nur ausgewählten Personen möglich und die Medien, bei denen veröffentlicht wurde waren aus vielen Gründen einer bestimmten Meinungsrichtung verpflichtet.
Jetzt kann jedEr veröffentlichen, was sie denkt - und ganz einfach andere finden, die auf einem ähnlichen Weg sind - ist bei facebook schon fast wie ein Schneeballsystem - und siehe da! Frau ist nicht alleine! Da gibt es so viele die ähnlich denken. Und auf einmal kommt eine massive Kraft in Bewegung...

Das ist wirklich ein absoluter Unterschied zu früher - da wurde so vor sich hingedacht, oftmals kam dann ein Gefühl der Isolation auf. Jetzt haben wir eine Machtverschiebung - die Meinung von wenigen war vorher tragend und die Illusion entstand, das sei richtig, was da geschrieben und gesagt wurde. Wir hatten die Aufgabe uns anzupassen. Jede einzelne für sich entwickelte ihre eigene Meinung - für sich im stillen Kämmerlein - immer wieder neu - immer wieder von vorne. Und jetzt auf einmal kippt es um - die Manipulatoren stehen auf einmal wie die Deppen da. Und das fühlt sich soooo gut an...
Jetzt kann jedEr veröffentlichen, was sie denkt - und ganz einfach andere finden, die auf einem ähnlichen Weg sind - ist bei facebook schon fast wie ein Schneeballsystem - und siehe da! Frau ist nicht alleine! Da gibt es so viele die ähnlich denken. Und auf einmal kommt eine massive Kraft in Bewegung...

Das ist wirklich ein absoluter Unterschied zu früher - da wurde so vor sich hingedacht, oftmals kam dann ein Gefühl der Isolation auf. Jetzt haben wir eine Machtverschiebung - die Meinung von wenigen war vorher tragend und die Illusion entstand, das sei richtig, was da geschrieben und gesagt wurde. Wir hatten die Aufgabe uns anzupassen. Jede einzelne für sich entwickelte ihre eigene Meinung - für sich im stillen Kämmerlein - immer wieder neu - immer wieder von vorne. Und jetzt auf einmal kippt es um - die Manipulatoren stehen auf einmal wie die Deppen da. Und das fühlt sich soooo gut an...
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