Dienstag, Juni 28, 2011

rassismus

Ich war letzte Woche im Urlaub und machte eine Gruppenreise durch Frankreich nach Paris und zurück. 32 mir bis dahin nicht bekannte Personen, mit dem Bus und Übernachtungen auf Campingplätzen. Alles wunderschön und gut, vor allem Paris. Aber sonst so - mir kam es vor als würde ich beim Verlassen meines gewohnten Umfeldes die absoluten Niederungen weißem Gedankenguts betreten.

Gewohntes Umfeld: bei uns (uns = die Menschen mit denen ich öfter zu tun habe) verwendet niemand Worte wie "Migrationshintergrund" oder "Rasse". Wir (wir = Menschen) sind einfach alle da, so wie wir sind, in der Familie, im Bekanntenkreis, am Arbeitsplatz, in der Stadt, unterwegs.



Passiert ist folgendes: in Paris gibt es einige Männer - sie kommen wahrscheinlich aus Afrika oder leben auch schon ewig in Frankreich, wer kann das schon aus der Hautfarbe ableiten - die Andenken an TouristInnen verkaufen. Im Bus, wir waren noch nicht alle da, sagte einer meiner Mitreisenden: "Ach und die vielen Bimbos hier, fürchterlich. Wo die nur alle her kommen. Zuhause ist das auch so. Wenn ich in die Arbeit fahre sehe ich sie schon im Café sitzen. Dazu brauchen sie ja Geld. Da kann ich mich jeden Tag ärgern."

Er: weiß - um die 40 Jahre alt - Anästhesist von Beruf. Das war auch nicht der einzige rassistische Kommentar auf dieser Reise, und nicht nur er und nicht nur Männer gaben solche Kommentare ab.

Ich will mir nur die Ohren zuhalten, wenn ich so etwas höre. Was macht eine da? Ignorieren? Zu diskutieren anfangen? Wie würdet ihr reagieren?

Donnerstag, Juni 09, 2011

ehec

Die ehec Bakterie ist ein Darmbewohner, die im Darm von Kühen, Schafen und Geflügel lebt. Weil diese Tiere in industrieller Massenhaltung "leben" - und um in so einer Anlage bis zur "Schlachtreife" zu überleben, bekommen sie massenweise Antibiotika verabreicht, was ihre natürliche Darmflora total zerstört. Auf diesem Nährboden entstand eine Mutation - die ehec-Bakterie.

Die Bakterie gelangt über die Düngung (anderes Wort für Verseuchung von Erdboden durch die Agrarindustrie) mit Fäkalien an Gemüse. Wird Gemüse nicht ausreichend gewaschen und hat der neue Wirt - die neue Wirtin - auch schon eine weitgehend zerstörte Darmflora (die Antibiotika im Fleisch lösen sich ja bei Verzehr nicht in Luft auf, und wir nehmen bei jeden Schnupfen schon Antibiotika) fühlt sich die Bakterie prächtig aufgehoben und ja... dann geht's dahin.

Die öffentliche Diskussion dreht sich leider nur um Gemüse, und das geht an der eigentlichen Ursache und den wirklichen Zusammenhängen total vorbei. Die Quelle von ehec ist nicht auf der Gurke - da klebt die Bakterie nur dran, sie entsteht nicht dort, sondern in der Massentierhaltung. Hier könnte jetzt alles mögliche gemutmaßt werden - warum die Fleisch- und Gülleproduzenten nicht in der Kritik sind, statt dessen Gemüse- und Biobauern - wo diese Kampagne hinführt, was das in Zukunft für unser aller Ernährung zu bedeuten hat usw. Ehrlich gesagt, langsam sehe ich diese ganze Subsistenz-Theorie mit anderen Augen. So weltfremd wie ich die empfunden habe, ist die gar nicht...

hier noch einen weiterer Text über das Thema von theintelligence.de - etwas ausführlicher und konkreter aber mit ähnlicher Aussage.

Mittwoch, Juni 01, 2011

schön widerlich

Ich bin ehrlich angewidert von der ganzen öffentlichen Debatte um die jüngsten Vergewaltigungsfälle.

Was ich aber schön finde: es kristallisiert sich wunderbar heraus, was hier eigentlich los ist. Und alle (naja - fast alle) finden das normal. In den Zeitschriften (Spiegel z.B.) wird das Thema Macht und Sex zelebriert, als wäre es eine erotische Sensation. Der mächtige Mann und die Frauen, die ihm zu Füßen liegen. Das Recht und die biologische Notwendigkeit des mächtigen Mannes, sich zu nehmen was er möchte .. äh... was ihm zusteht, toll erklärt mit primitivstem Biologismus (der Pascha und sein Harem - siehe Schimpansen und Löwen) und dem (*gähn*) der-männliche-Jäger-Mythos.

Da gibt es einiges was mir da irgendwie fehlt in der Diskussion: Die mächtigen Männer, die gern zu einer Domina gehen? Die mächtigen Männer, die homosexuell sind? Die mächtigen Männer, die ihre Ehefrau lieben und tollen Sex mit ihr haben? Und vor allem wo wird über mächtige Männer geschrieben, die eine (eigen-)mächtige (feministische) Frau "unerotisch" finden - weil sie ohne ihr Überlegenheitsgefühl keinen hochkriegen? Und was ist mit den "machtlosen" Männern (mit denen ich ja immer Sex hatte, der oft ziemlich sensationell war)?

Jetzt verstehe ich auch endgültig den viel genutzen Ausdruck "gefickt" im Zusammenhang mit "da haben mich die Bullen gefickt" oder "da war ich aber der gefickte" im Sinne von "da war ich der völlig unterlegene Looser". Es ist echt so gemeint. Auch - und im besonderen - im Bett!!! Der/die gefickte ist der/die Unterlegene, der Looser.

Das ganze zusammengefasst sind unter anderem Gründe, warum ich keine 2er-Beziehung zu einem Mann mehr habe und haben will: solange das Verhältnis zwischen den Geschlechtern so schräg ist und Sex zu häufig so einen seltsamen Stellenwert hat, habe ich keinen Bock mehr drauf.

3.6.11 - nachsatz
habe mit einer 15-jährigen gesprochen, sie ist gerade ganz hin und weg von einem schwulen sänger, der den schwulen bassisten auf der bühne 26 sekunden lang küsst. - ich wage auch zu vermuten, dass sie sich vor männern wie z.b. ackermann absolut ekelt. (das noch zu "alle frauen stehen auf mächtige männer" ...)