Dienstag, Juli 19, 2011

die geldfrage

Da ich am Wochenende einen Haufen Geld - für Nichts eigentlich - ausgegeben habe, ergab ich mich mal wieder richtig meiner Panik und meinem seltsamen Verhältnis zum Geld. Ich krieg da einfach die Kurve nicht. Um es ein bisschen aufzudröseln habe ich mir das alles mal aufgezeichnet.



Das blöde am Geld ist, dass es so emotionalisiert ist. Es ist alles andere als neutral, es ist ziemlich aufgeladen. Ganz allgemein und persönlich. Und es existiert natürlich auch der politische und gesellschaftliche Diskurs, ich stamme aus einer Arbeiterfamilie, den spare (!) ich mir jetzt - an anderer Stelle gibt es gute Artikel.

Geld gibt Sicherheit. Geld gibt Freiheit. Ich habe eine Freundin, die arbeitet schon seit Jahren nicht mehr, hat kaum Geld aber ein altes Wohnmobil und sie verbringt die Wintermonate immer auf Gomera. Ordne ich für mich persönlich unter "wenn ich mal im Lotto gewinne" ein.

Geld war in meiner Familie immer knapp. Viele Wünsche konnten nicht erfüllt werden. Geld war etwas, dass man sich hart erarbeiten und dass man sparen musste. Bei den Großeltern. Mein Vater rebellierte dagegen und verschuldete sich ganz enorm. Geld hatte also nichts mit Sicherheit und schon gar nichts mit Freiheit zu tun.

Traum für die Klasse der Besitzlosen (gehöre dazu) - Lotto: gestern habe ich in einer Zeitschrift über eine Frau gelesen, deren Eltern 10 Mio im Lotto gewonnen hatten. Sie bekam 800000 € geschenkt. Sie fuhr 2 mal in Urlaub und hatte aber nur Heimweh, kaufte sich ein Haus und machte eine Berufsausbildung. Dagegen sehe ich die Lebensentwürfe von Luisa Francia und Cambra Skade, die nicht im Lotto gewonnen haben - voller Freiheit und Kreativität und völlig im eigenen Rhythmus.



Ich selber glaube, ohne Geld im Hintergrund kann ich das nicht leben. Ich brauche also einen 40-Stunden Job. Der ist ziemlich ok, trotzdem fühle ich mich von Montag bis Freitag wie eine Gefangene. Früher hatte ich Phasen in denen ich nicht arbeiten gegangen bin. Da war ich nicht unbedingt kreativ - hab den Tag so vertrödelt - war manchmal sehr schön manchmal nicht - und hatte halt nie Geld. Es ging auch irgendwie, es gibt viel was man auch ohne und mit wenig Geld machen kann, aber ganz viel auch einfach nicht. Ganz ernsthaft weiß ich nicht was das bessere Leben war/ist und ich frage mich auch - muss es entweder das eine oder das andere sein? Also habe ich nur die Wahl zwischen arm und frei und wohlhabend und gefangen?

Ich drehe mich im Kreis. Gefangen in Glaubensätzen. Was ich aber trotzdem durch meine Zeichnung rausgefunden habe - sobald es mir gelingt die Glaubensätze zu verlassen, bekomme ich nicht auf einmal mehr Geld oder mehr Freiheit, sondern das Thema Geld ist einfach nicht mehr so wichtig, so belastend. Das ist schon mal was.